Das hat Udo Jürgens vor fast 50 Jahren geschrieben. Wann fängt Leben eigentlich wirklich an? Persönliche Gedanken über Lebensphasen, Beziehungen, Gesellschaft und die Kunst, das Leben bewusst zu gestalten.

 

An Weihnachten werde ich 66 Jahre jung. Tatsächlich habe ich das Gefühl, dass mein Leben wieder einmal neu beginnt, insbesondere ein Leben, das ich bewusster und selbst bestimmter gestalte.

Dies ist kein Lebensratgeber, sondern eine Einladung, das eigene Leben und die Beziehungen darin bewusst und liebevoll zu betrachten.

 

Elternschaft – Reflexion und ein Gespräch mit der Vergangenheit

Kürzlich habe ich mich mit meiner ex-Frau verabredet, um zu reflektieren wo wir als Eltern unserer drei Kinder stehen, ob und wie wir sie heute noch unterstützen können. Natürlich wünschen wir ihnen ein selbst bestimmtes und bewusstes Leben, fern von belastenden Konditionierungen und alten Mustern, die möglicherweise von uns Eltern oder gar von unseren Vorfahren herrühren. Es war ein sehr berührender Austausch mit viel Einsicht über unsere Vorstellungen, Projektionen, Sehnsüchte und ungeprüften Annahmen. Da gibt es vieles zu bedauern – aber sicher auch vieles, was ich nicht missen möchte und wo ich sehr viel gelernt habe. Ich empfinde eine grosse Wertschätzung für die Aufrichtigkeit und die respektvolle Reflektion mit meiner ex-Frau. Es ist eindrücklich, wie tief die eigenen Muster sitzen und in unseren Kindern nachwirken. Ich frage mich, wie unsere Kinder die Geschichte ihrer Familie erleben – und wie viel Freiheit wir ihnen mitgegeben haben, ihren ganz eigenen Wege zu gehen. Es ist ein ständiges Wechselspiel zwischen Loslassen und Dasein, zwischen Geben und Lernen.

 

Die kollektive Dimension gesellschaftlicher Prägungen

Mit einem weiteren Blick auf unsere persönliche Geschichte kann ich die kollektive Dimension erkennen in der wir aufgewachsen sind und von der wir mit geformt wurden. Wenn ich also versuche, mein Leben bewusst und sinnerfüllt zu leben, forme ich gleichzeitig die Gesellschaft mit und schreibe eine neue Geschichte. Das ist aufregend – und gleichzeitig erfüllt es mich mit Demut. Einmal mehr erkenne ich, dass Alles mit Allem verbunden ist und sich gegenseitig beeinflusst. Ein Geschenk des Älterwerdens ist sicher mehr Gelassenheit, Erwartungen und Konventionen deutlich weniger füttern zu müssen.

 

Beziehungen, ein Spiegel meines Seins

Was mich seit ich denken und fühlen kann beflügelt, überfordert, erschüttert und inspiriert, sind Beziehungen. Wie stehe ich in Beziehungen? Bin ich überhaupt fähig, in Beziehung zu sein? Wie ist meine Beziehung zu mir selber? Wann fängt Beziehung eigentlich an – und wo hört sie auf? Fragen über Fragen über die ich seit Jahren bewusster nachdenke und forsche. Irgendwann erscheint vielleicht mein Buch darüber … vielleicht auch nicht, wenn ich die Komplexität der Fragen ernst nehme. Was ich schon weiss ist, dass es kein Rezept für gelingende Beziehung gibt und dass es so viele Formen von Beziehung gibt wie die Menschen die sie leben. In meiner Rückschau erkenne ich, dass jede Liebesbeziehung auch einen eigenen, besonderen Lebensabschnitt beschrieben hat. In Anerkennung dessen, fällt es mir leichter, nicht von gescheiterten Beziehungen zu sprechen, sondern von «zu Ende gegangenen Lebensabschnitten» oder noch schöner «von erfüllten Beziehungen». So kann ich auch überzeugt bisher von einem erfüllten Leben berichten. Zurück schauend, bin ich unendlich dankbar, für die Schatztruhe, die ich auf dem Weg erhalten habe, gefüllt mit schmerzlichen und ganz vielen beglückenden und nährenden Erfahrungen.

 

Zuversicht und Gelassenheit

Ebenfalls ein Geschenk ist es, dass ich mit 66 Jahren nicht mehr in jedes Fettnäpfchen treten muss und dass ich mit etwas mehr Gelassenheit wesentlich geschmeidiger unterwegs bin. Das lässt mich erkennen, dass das Leben es doch ganz gut mit mir gemeint hat. Diese Zuversicht ist es auch, die ich in der Begleitung von Menschen weitergeben möchte. Das Vertrauen, dass das Leben Sinn macht, mit allen Stolpersteinen und Hürden die es uns bereit hält. Wie gesagt, wir müssen nicht alle davon auskosten.

Was fängt für Dich jetzt erst richtig an? Was hat das Leben noch mit Dir vor?

Ich wünsche Dir, dass Du die schönen Momente im Leben geniessen kannst und die Herausforderungen als sinnvolles Training anerkennst und integrierst. Dazu eine gesunde Prise Mut zur Veränderung und viel Freude beim bewussten Gestalten Deiner Lebensphasen.